Agrarmärkte in der EU

Kaum andere Märkte werden so stark durch die Regelungen der Europäischen Union (EU) beeinflusst wie die Agrarmärkte. Erinnert sich noch jemand an die „Gemeinsame Agrarpolitik“ (GAP) der Europäischen Union in den 70er Jahren? Damals wurden den Landwirten durch Preis- und Absatzgarantien Anreize gegeben, regelrechte Butter- und Obstberge zu produzieren. Dieser Agrarprotektionismus – hauptsächlich finanziert durch Steuerbeiträge aus Mitgliedsländern - gehört der Vergangenheit an. Damals hatte er seine Berechtigung - er fußte auf der Agrarpolitik der Nachkriegszeit, als es galt, den Mangel an Nahrungsmitteln zu überwinden bzw. die Versorgung sicherzustellen (§39 EWG-Vertrag). Bis 1993 griff die EU in den freien Marktmechanismus umfassend ein. Das Prinzip freier Märkte ist schnell erklärt: Angebot, Nachfrage und Preise stehen in einer Wechselbeziehung. Steigt z. B. der Preis, wird die Nachfrage zurückgehen. Die EU legte aber bis 1993 einen Mindestpreis für bestimmte Agrargüter fest. Fiel der Marktpreis darunter, kaufte die EU den Erzeugern die Produkte ab und stabilisierte so deren Preise. Außerdem wurden Einfuhren aus Agrarländern außerhalb Europas erschwert, indem durch variable Zölle der niedrigere Weltmarktpreis auf das Niveau des EU-Binnenmarktes angehoben wurde. Umgekehrt wurden den Landwirten Verluste erstattet, die beim Export wegen niedrigerer Weltmarktpreise entstanden. Dass die Landwirte ihre Produktion nicht umstellten, kann man ihnen nicht anlasten. Sie nutzten lediglich, wie jede andere Berufsgruppe auch, die Anreizsysteme, die ihnen von der EU geboten wurden. Die starke Regulierung der Agrarmärkte gibt es so heute nicht mehr, aber immerhin fließen noch Milliardensummen aus dem EU-Haushalt an die Landwirte - jetzt als Direktzahlungen, um Subventionen und Produktionsmengen zu entkoppeln. Das Problem dabei: Durch Subventionen sowie globaler Knappheit an nachwachsenden Rohstoffen und Lebensmitteln gehen die Preise derzeit in die Höhe. Das ist gut für die Landwirte, hat aber desaströse Folgen für die Nachfrager, z. B. in ärmeren Ländern. Für die Zeit ab 2014 wird aber z. B. diskutiert, Subventionen stärker an sozialen und ökologischen Kriterien zu orientieren.