Soziale Marktwirtschaft

In der Bundesrepublik Deutschland findet man eine besondere Ausprägung einer marktwirtschaftlichen Ordnung: die Soziale Marktwirtschaft. Im Wesentlichen vom späteren Staatssekretär Alfred Müller-Armack in der Nachkriegszeit entwickelt und von Ludwig Erhard im Rahmen der Währungsreform 1948 implementiert, stellt dieses Ordnungsmodell den Versuch dar, das Prinzip der Freiheit auf dem Markte mit dem des sozialen Ausgleichs zu verbinden" (Müller-Armack). Die Gründerväter ließen jedoch keinen Zweifel daran, dass staatliche Eingriffe stets den Prinzipien der Marktkonformität und der Sicherung des Wettbewerbs zu folgen hätten. Soziale Sicherung sollte nur dort zur Anwendung kommen, wo der Markt selbst nicht mehr in der Lage ist, alle sozialen Probleme zu lösen (Sozialpolitik mit und nicht gegen den Markt!). Dieser Gedanke ging jedoch im Laufe der Jahre zunehmend verloren: Immer mehr Leistungen kamen hinzu und der Grundsicherung folgte mehr und mehr eine Rundumsicherung der Bürgerinnen und Bürger. In Zeiten des kontinuierlichen Wirtschaftswachstums ist dies kaum ein Problem. Spätestens seit den Neunzigerjahren zeigen sich jedoch die damit verbundenen Probleme (z. B. im Arbeitsmarkt, in den sozialen Sicherungssystemen) und die Notwendigkeit von Reformen im Sinne des ursprünglichen Gedankens."

 

NWZ vom: 12.3.2004