Staatsanleihen

Wie der Begriff schon vermuten lässt, dienen Staatsanleihen dem Staat dazu, sich Geld zu leihen. Dieses Geld kann z.B. verwendet werden um (wie jüngst in Deutschland geschehen) Konjukturpakete zu finanzieren, die die Wirtschaft ankurbeln sollen, oder (wie in Griechenland) die Staatskasse wieder aufzufülen und so den drohenden Bankrott abzuwenden.
Um sich Geld zu leihen, kann der Staat einen Kredit bei einer Bank (z.B. der Europäischen Zentralbank) aufnehmen oder sich auch Geld bei privaten Anlegern leihen. Letzteres geschieht durch die Ausgabe (emittieren) von Staatsanleihen, indem der Staat (als Emittent) diese Wertpapiere an der Börse zum Kauf anbietet. Staatsanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, d.h. der beim Kauf festgeschriebene Zinssatz wird während der gesamten Laufzeit (i.d.R. 10 Jahre) gezahlt und schwankt nicht. Durch diesen stetigen Wertzuwachs gelten sie als risikoarme Wertanlage. Die Zinsen, die der Staat auf die Staatsanleihen zahlt, sind dabei abhängig von seiner Kreditwürdigkeit, d.h. je geringer  das Vertrauen der Anleger, dass die festgeschriebene Rückzahlung samt Zinsen auch tatsächlich erfolgt, desto höher die Zinsen. So zahlt Griechenland aktuell weitaus höhere Zinsen (Mai 2010: über 10%) auf seine Staatsanleihen als Deutschland (unter 3%).
Waren Staatsanleihen bisher vor allem als gebräuchliche Form der Staatsfinanzierung bekannt (der Bund legt regelmäßig Staatsan-leihen auf), sind sie jetzt vor allem im Zusammenhang mit dem hochverschuldeten Griechenland in den Blickpunkt gerückt. So kaufte die Europäische Zentralbank (EZB) Staatsanleihen vom finanziell geschwächten Griechenland mit dem Ziel, das Vertrauen der Anleger auch in andere kriselnde Länder zu stärken und so die Kapitalmärkte zu stabilisieren. Umstritten ist diese Maßnahme, da die EZB auf diesem Weg de facto die Schulden dieser Länder finanziert und durch das nun zusätzlich zur Verfügung gestellte Geld die Preisstabilität, deren Hüterin die EZB eigentlich ist, gefährdet.

 

NWZ vom: 10.8.2010