Unternehmensethik

Die Medienkritik an Umweltkatastrophen, Korruptionsfällen oder fragwürdigen Arbeits- und Sozialstandards in bestimmten Branchen setzt Unternehmen mehr und mehr unter Druck, sich mit ethischen Fragen ihres Handelns auseinanderzusetzen. Die Unternehmensethik beschäftigt sich mit der Entwicklung und Durchsetzung von moralischen Standards in Unternehmen. Es geht um Konventionen, Normen und Prinzipien, die den verantwortungsvollen Umgang mit Mitarbeitern, Kunden, Zulieferern, der Umwelt etc. regeln. Diese Regeln sind aber selten rechtsverbindlich, sondern vielmehr bindend im Rahmen einer Selbstbindung.

Fragen sind nun: Welche Aufgaben übernimmt eine Unterneh-mensethik? Wie soll sie umgesetzt werden? Die Unternehmensethik setzt genau dort an, wo unvollständige rechtliche Rahmenbedingungen ein Verhalten zulassen, das gegen Werte wie Fairness und Solidarität verstößt. Besonders zutage tritt dieses Problem, wenn der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens oder einzelner Mitarbeiter sogar durch moralisch fragwürdiges Verhalten gesteigert werden kann.

Es gibt zahlreiche Instrumente: Ethikkodizes beinhalten für alle nachlesbar die Normen über gutes und richtiges Handeln im Unternehmen. Durch sogenannte Audits werden Sozialstandards bei Zulieferern geprüft (z. B. Arbeitszeiten, Entlohnung). Nachhaltigkeitsberichterstattungen sollen Rechenschaft darüber ablegen, wie ernst ein Unternehmen seine gesellschaftliche Verantwortung nimmt. All diese Instrumente sind Bausteine, um ethische Standards zu etablieren. Aber immer ist die Frage des Wollens auch eine Frage des Könnens. Nicht nur Unternehmen sind in der Verantwortung, sondern auch Konsumenten, Wirtschaftsbürger und Mitarbeiter. Jeder Einzelne ist nicht von der Pflicht, sich moralisch vertretbar zu verhalten, entbunden. Manchmal überfordert dies allerdings den Einzelnen, weil moralisches Handeln dem eigenen Interesse widerspricht und als dritter Beteiligter der Gesetzgeber in der Pflicht steht, ausuferndes Verhalten zu beschränken. So wurden als Konsequenz aus der Finanzkrise z. B. Gesetze verabschiedet, die Verbraucher vor Falschberatung bei der Geldanlage schützen sollen bzw. wurden neue Regeln zur Bankenkontrolle, zur Eigenkapitalbindung entwickelt. Ein andres Beispiel ist die Regelung der Arbeitsunfähigkeit von Arbeitnehmern. Nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz sind Mitarbeiter verpflichtet, ihrem Arbeitgeber im Krankheitsfall nach drei Tagen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen. Auch dies ist ein Schutz vor ausuferndem Verhalten, in diesem Fall ein Schutz des Arbeitgebers.