23. November 2011
wigy Forum: „Mit Gier lässt sich die Krise nicht erklären“
Die Gier der Manager gilt in der öffentlichen Diskussion als Ursache der Bankenkrise. Ein Trugschluss, so Ingo Pies, Professor für Wirtschaftsethik an der Universität Halle-Wittenberg. Pies referierte am Freitag vor rund 120 Zuhörern auf dem wigy Forum in der Oldenburgischen Landesbank AG (OLB) über das Thema „Wirtschaft und Ethik“. Zum zehnten Mal richtete die Bildungsinitiative das Forum aus, um über aktuelle Entwicklungen im Schulfach Wirtschaft an allgemeinbildenden Schulen zu informieren.
Pies zeigte auf, wie widersprüchlich die Gier-Diagnose ist. „Wenn Manager die Märkte zu guten Ergebnisse führen, sind dies die gleichen Menschen, die die Märkte zu schlechten Ergebnissen führen“, so Pies. Eine gute Ursachendiagnose der Krise müsse nicht nur den Misserfolg, sondern auch auf den Systemerfolg erklären können. Die moderne Auffassung von Gier stelle ab auf Sozialschädlichkeit, wenn man anderen etwas wegnehme. Aber genau diese Kritik passe nicht auf Märkte. Hohe Gewinne seien ja ein Signal für eine gelungene Wertschöpfung, die die Kunden nicht ärmer, sondern reicher machten. Deshalb avancierten die institutionellen Rahmenbedingungen zum systematischen Ort der Moral. „Die richtige Frage ist, ob das Eigeninteresse zu Lasten oder zu Gunsten anderer ausgerichtet ist,“ sagte der Ethikexperte. Wirtschaftsethische Kompetenzen müssten auch Schüler erlangen, forderte Prof. Dr. Hans Kaminski, Direktor des Institut für Ökonomische Bildung (IÖB). Der Stoff ließe sich in vorhandene Lehrpläne integrieren, ohne dazu mehr Unterricht machen zu müssen, betonte Kaminski.
Die regionale Arbeit im Netzwerk „Schule-Wirtschaft-Wissenschaft“ stellte Prof. Dr. Dirk Loerwald, Lehrstuhlinhaber für Ökonomische Bildung an der Universität Oldenburg, vor. Er zeigte mit Studierenden auf, wie Kooperationen zwischen Schule und Wirtschaft die Lehrerausbildung ergänzen. Ein Schulprojekt zum Thema „Regionaler Wirtschaftsraum“ demonstrierten Lehrkräfte und Schüler der August-Wöhler-Realschule in Soltau. Die Musikalische Unterhaltung steuerte die Big Band der Cäcilienschule Oldenburg bei.
Die Initiative wigy (www.wigy.de) wurde 1993 gegründet und hat derzeit 857 Mitglieder bestehend aus Schulen, Lehrkräften und Unternehmen. Der Verein unterstützt Lehrkräfte im Fach Wirtschaft mit dem derzeit größten Online-Materialienpool zur ökonomischen Bildung und setzt sich für die bundesweite Etablierung eines Faches Wirtschaft im allgemeinbildenden Schulwesen ein. Als neues Vorstandsmitglied des Vereins ist am Freitag Dr. Peter Schinzing, stellvertretender Sprecher des Vorstands der OLB, gewählt worden. Wissenschaftlich begleitet wird die Arbeit des wigy e.V. vom Institut für Ökonomische Bildung (IÖB).

Engagieren sich für wigy: Prof. Dr. Hans Kaminski (IÖB), Britta Silchmüller (OLB), Prof. Dr. Ingo Pies, Dr. Stephanie Abke (EWE Stiftung), Katrin Eggert und Dr. Joachim Peters (Oldenburgische Industrie-und Handelskammer, wigy Vorstand)

Prof. Dr. Ingo Pies, Wirtschaftsethiker an der Universität Halle-Wittenberg
Fotos: Andreas Burmann
