Das polnische Bildungssystem

Die Schulzeit bis zur Zulassung zur Reifeprüfung (Abiturexamen) dauert in Polen 12-15 Jahre. Das polnische Bildungssystem wird in drei Bereiche gegliedert: Primar-, Sekundar- und Tertiärbereich.

Der Primarbereich umfasst die sechsjährige Grundschule, an deren Ende ein obligatorischer Test durchgeführt wird. Der Test hat keine Auswahlfunktion, er informiert lediglich die Schüler selbst, ihre Eltern und die weiterführende Schule über das Wissensniveau der Grundschulabgänger.

Der Sekundarbereich I (das dreijährige polnische Gimnazjum) endet mit einer obligatorischen Prüfung, die zur Fortsetzung der Ausbildung an einer Schule des Sekundarbereichs II berechtigt:

  • dreijährige allgemeinbildende und profilierte Lyzeen (vergleichbar mit den deutschen Gymnasien)
  • vierjährige berufsbildende Schulen (Technika)
  • ergänzende Lyzeen und ergänzende berufsbildende Schulen (Technika)
  • sowie drei- bzw. vierjährige Berufsschulen

Das allgemeinbildende Lyzeum, das profilierte Lyzeum und das Technikum enden mit der Reifeprüfung (Abiturexamen). Nach dem Bestehen der Reifeprüfung erhalten die Schulabsolventen das Reifezeugnis (Abiturzeugnis), das sie zur Bewerbung um einen Studienplatz an einer Hochschule (mit oder ohne Aufnahmeprüfung) berechtigt.

Die Ausbildung an den drei- bzw. vierjährigen Berufsschulen endet mit einer Berufsprüfung, die den Einstieg in das Berufsleben oder die Fortsetzung der Ausbildung an einem ergänzenden allgemeinbildenden bzw. profilierten Lyzeum oder an einem Technikum ermöglicht.

Der weitere Bildungsweg kann auf den universitären bzw. auf den nicht-universitären Einrichtungen fortgesetzt werden. Neben klassischen Universitäten, Technischen und Pädagogischen Hochschulen kommen auch Akademien in Frage.

Das Reifezeugnis (Abiturzeugnis) ist die Voraussetzung für die Aufnahme eines Studiums an allen Hochschultypen.

Die Ausbildung an den technischen Hochschulen dauert vier Jahre und endet mit dem Erwerb des Ingenieurtitels. Abgänger dieser Hochschulen können ihr Studium im ergänzenden, einjährigen Magisterstudium fortsetzen.

Das Studium an einer Universität bzw. einer anderen universitären Hochschule (die Technischen Hochschulen ausgenommen) kann mit einem Licencjat (meist nach 6 Semestern; entspricht dem deutschen Bachelor) oder mit Erwerb des Magistertitels nach der Fortsetzung des Licencjat-Studiums abgeschlossen werden. Der Magistertitel berechtigt die Absolventen der Hochschulen zur Aufnahme eines Doktorandenstudiums.

Die Reform des polnischen Bildungssystems von 1999 brachte unter anderem Änderungen im Fächerkanon mit sich. 2002 wurde das Schulfach „Grundlagen des Unternehmertums“ in alle Schultypen des Sek. II-Bereichs eingeführt. In den Jahren 2003-2006, im Rahmen des Projekts EKOPOS, entwickelte das IÖB ein Kerncurriculum für das Fach „Grundlagen des Unternehmertums“ und erprobte es mit Lehrkräften an polnischen Schulen. Dabei unterstützt das Institut die Umsetzung der ökonomischen Inhalte in der Schulpraxis durch Seminare und Beratungen der Lehrkräfte.

Seit 2008 realisiert das IÖB in Kooperation mit dem Methodikzentrum in Gorzów Wlkp. und dem Lebuser Bildungskuratorium Projekte, die auf dem Konzept EKOLAN basieren. Im Fokus der Projekte stehen handlungsorientierende Methoden im Ökonomieunterricht, denen auch in den polnischen Schulen eine immer größere Bedeutung beigemessen wird. In den Projekten erfolgt insbesondere die Auseinandersetzung mit Schülerfirmen aus fachlicher und didaktischer Perspektive. Das IÖB unterstützt damit die Lehrkräfte, die sich derzeit auf die Umsetzung des fakultativen Faches „Wirtschaft in der Praxis“ vorbereiten. Das Fach wird im Jahr 2012 in allen Schulformen der Sekundarstufe II eingeführt.
 

 

Bild (IÖB): Tutorenschulung im IÖB
v.v.l.: Maria Michalska-Majerska (Tutorin), Izabela Bieda (IÖB), Renata Hołysz und Anna Stefaniak (Tutorinnen); h.v.l.: Mariusz Walak (Tutor, Leiter Abt. Informatik Methodikzentrum Gorzów Wlkp.), Prof. Hans Kaminski sowie Prof. Rudolf Schröder (beide IÖB)
 

Grafik: Das Schulsystem in Polen nach der Reform 1999