Leitidee

Wie wir "ökonomische Bildung" definieren

Ökonomische Bildung wird verstanden als die Gesamtheit aller erzieherischen Bemühungen in allgemeinbildenden Schulen, Kinder und Jugendliche mit solchen

  • Kenntnissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Verhaltensbereitschaften und Einstellungen auszustatten, die sie befähigen, sich mit den
  • ökonomischen Bedingungen ihrer Existenz und deren sozialen, politischen, rechtlichen, technischen, ökologischen und ethischen Dimensionen
  • auf privater, betrieblicher, volkswirtschaftlicher und weltwirtschaftlicher Ebene auseinander zu setzen.

Ziel soll sein, sie zur Bewältigung und Gestaltung gegenwärtiger und zukünftiger Lebenssituationen zu befähigen.


Ökonomische Bildung ist Allgemeinbildung

Ökonomische Bildung ist keine vorweggenommene Berufsausbildung oder lediglich eine Antwort auf die Forderungen der Wirtschaft. Vielmehr ist sie Teil der Allgemeinbildung und gehört zum unverzichtbaren Bestandteil eines modernen Inhaltsprofils an allgemeinbildenden Schulen, für Schülerinnen und Schüler jeder Schulform und Schulart.
Wir sehen unsere Verantwortung darin, das Wissen über die Verflechtung von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu fördern und die Einsicht in marktwirtschaftliche Strukturen und Prozesse zu verbessern.

Schon unsere Kinder und Jugendlichen müssen die Grundlagen unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung kennen, um als mündige Bürgerinnen und Bürger an der Weiterentwicklung dieser mitwirken zu können. Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir Lehrerinnen und Lehrer, die sich dieser Aufgabe annehmen und dafür qualifiziert sind.

Lesen Sie hierzu:
IÖB-Broschüre „Ökonomische Bildung ist Allgemeinbildung“

 

Ökonomische Bildung in den Bundesländern

Niedersachsen hat ein eigenes Unterrichtsfach in Haupt- und Realschulen und noch ein zusätzliches Profilfach Wirtschaft. Im Gymnasium gibt es ein eigenes Fach Politik/Wirtschaft mit jeweils gleichen Zeitanteilen. Das gibt es in dieser Konsequenz in anderen Bundesländern nicht. Eine Übersicht über die Verankerung der ökonomischen Bildung in den Stundentafeln niedersächsischer allgemein bildender Schulen finden Sie hier.

Abbildung: "Fachdidaktischer Armutskreislauf". Quelle:
Konzeption für die ökonomische Bildung als Allgemeinbildung von der Primarstufe bis zur Sekundarstufe I (Kaminski, Hans/Eggert, Katrin, hrsg. vom  Bundesverband deutscher Banken, Berlin 2008, S. 59).
 

Häufig ist die ökonomische Bildung nur Bestandteil eines sogenannten Integrationsfaches wie Sozialwissenschaften oder von Fächerverbünden wie  Arbeit, Wirtschaft, Technik. Dort aber, wo Wirtschaft nicht als Unterrichtsfach im Stundenplan eines Bundeslandes steht, gibt es weder ein verbindliches Zeitkontingent in der Schule noch existiert das Fach als Studiengang in der Lehrerausbildung. Das heißt, später gibt es auch keine an der Universität ausgebildeten Lehrer, die das Fach an einer Schule unterrichten können. Hinzu kommt: Erst mit grundständigen Studiengängen an Universitäten wird ökonomische Bildung als Ausbildungsaufgabe „geboren“. Denn nur mit Studiengängen wird auch wissenschaftliches Personal für die ökonomische Bildung akquiriert, wird eine Forschungslandschaft entwickelt und werden Perspektiven für die fachdidaktische Entwicklungsforschung eröffnet. Diesen "fachdidaktischen Armutskreislauf" gilt es zu durchbrechen. Deshalb setzen wir uns für ein Fach Wirtschaft an allgemeinbildenden Schulen ein – bundesweit!

Lesen Sie auch:
Zur Institutionalisierung ökonomischer Bildung im allgemeinbildenden Schulwesen (Dirk Loerwald/Rudolf Schroeder, in: Politik und Zeitgeschichte, H. 12/2011, S. 9-15)

Übersicht über Verankerung der ökonomischen Bildung in den Stundentafeln niedersächsischer allgemein bildender Schulen (Stand April 2013, eigene Darstellung).


Das Oldenburger Modell zur bundesweiten Etablierung ökonomischer Bildung

Zur nachhaltigen Implementation wirtschaftlicher Inhalte in Haupt- und Realschulen sowie in allgemeinbildende Gymnasien sind wichtige Teilaufgaben simultan zu berücksichtigen:

  • Politische und organisatorische Rahmenbedingungen mitgestalten (z. B. Stundendeputate für die ökonomische Bildung an allgemeinbildenden Schulen und Aufnahme ökonomischer Bildung in den Fächerkanon).
  • Projektträger und -förderer gewinnen, die die Verankerung ökonomischer Bildung mit Public Private Partnership-Modellen engagiert unterstützen ("best practice")
  • Lehrkräfte aus-, fort- und weiterbilden, damit sie für den Unterricht qualifiziert sind
  • Medien, Materialien und Konzepte für den Unterricht entwickeln und bereitstellen

 

Das "Oldenburger Modell" beschreibt diesen strategischen Ansatz für die Innovationsaufgabe im allgemeinbildenden Schulsystem.

Lesen Sie hierzu:
Anmerkungen zum „Oldenburger Ansatz ökonomischer Bildung", (Hans Kaminski, in: GWP, Heft 4/2009, S. 547-560)

Alle Positionspapiere des IÖB

 

Fotos
Kind bei Bäcker:
Schülerin:
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