21. Juli 2014

Lob für neues Schulfach

Das Land Baden-Württemberg führt Wirtschaft zum Schuljahr 2016/2017 flächendeckend als Pflichtfach ein. Ziel ist es nach Angaben von Kultusminister Andreas Stoch, der ökonomischen Grundbildung und der Ausbildungs- und Studienorientierung an allgemein bildenden Schulen einen deutlich höheren Stellenwert zu geben.

"Baden-Württembergs Ansatz hat durchaus Vorbildcharakter für die Bundesrepublik", sagt Dirk Loerwald, Professor für Ökonomische Bildung an der Uni Oldenburg. Auf Ebene der Kultusministerkonferenz gibt es bislang keine Initiative, das Fach flächendeckend einzuführen. (...)

Das scheint notwendig. Die jüngst präsentierte Ausbildungsstatistik gilt als Beleg dafür, dass Schüler aller Schularten früher, gezielter und umfangreicher auf die Berufswelt vorbereitet werden müssen. Mehr als 37 000 Jugendliche parken derzeit in Übergangssystemen zwischen Schule und Beruf.

Manche stecken in Kursen, die noch nicht mal auf die Ausbildungszeit angerechnet werden. Gleichzeitig aber sind tausende Lehrstellen unbesetzt, fehlen qualifizierte Arbeitskräfte. Wirtschaftsminister Nils Schmid sieht die Reform denn auch als Riesenchance, Schule und Arbeitswelt enger miteinander zu verzahnen.

Aus Sicht der Wirtschaft soll das neue Schulfach vor allem zwei Dinge leisten. "Es muss praxisnahes Wirtschaftswissen vermitteln und - im Zusammenspiel mit der fächerübergreifenden Leitperspektive "Berufs-und Studienorientierung" - eine umfassende Berufsorientierung für die Schülerinnen und Schüler bieten", sagt Martin Frädrich, Geschäftsführer der Abteilung Beruf und Qualifikation der IHK Region Stuttgart und Federführer Ausbildung beim BWIHK. (...)

19. Juli 2014
Presseartikel

Infrastrukturplanung transparent machen

Im Park der Gärten wurde über Infrastruktur diskutiert. Der BUND fordert, Ökosystemkosten einzubeziehen. Die IHK mahnte Tempo an.

Der Bau der umstrittenen Autobahn A 20 („Küstenautobahn“) aus dem Westersteder Raum Richtung Elbe und Hamburg-Umfahrung werde in den den nächsten Bundesverkehrswegeplan aufgenommen und er habe „keine Bedenken, dass es eine große Mehrheit dafür gibt“. Das sagte Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, am Freitagabend bei einer Diskussionsveranstaltung in der Reihe „1x1 der Wirtschaft“ des Instituts für Ökonomische Bildung (IÖB) und der Wirtschaftsbildungsinitiative wigy (beide Oldenburg) im „Park der Gärten“ in Bad Zwischenahn (Ammerland). (...)

Auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) aus Sande plädierte bei der Veranstaltung für den Bau, ebenso wie Felix Jahn, Geschäftsführer für Verkehr bei der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK). Alle verwiesen auf die Prognosen für das Verkehrswachstum in den nächsten Jahren.

Susanne Grube, Ammerländer Kreisvorsitzende der Umweltorganisation BUND und seit 20 Jahren gegen die Planung der A20 engagiert, sagte, die Frage nach dem Bedarf sei nie plausibel beantwortet, sondern politisch entschieden worden. (...)

Thema des Abends war: „Konfliktfall Infrastruktur: Verkehrs- und Netzausbau im Nordwesten“. Das sei „ein heißes Thema an einem heißen Tag“, sagte Professor Hans Kaminski, Leiter des Instituts IÖB, eingangs. Infrastruktur sei eine „Lebensader für die Gesellschaft“. Jeder wolle sie, aber nicht in seinem eigenen Hinterhof. (...)

„Wenn wir die Infrastruktur nicht weiterentwickeln, dann wird es auch schwierig, die Wirtschaft weiterzuentwickeln“, sagte Wirtschaftsminister Lies. Es gehe nicht an, dass sich etwa Ausbau und Elektrifizierung der Bahnstrecke Wilhelmshaven-Oldenburg am Ende über 20 Jahre hingezogen haben werde. Lies plädierte für Beschleunigungen und zugleich für weitestgehende Transparenz aller Abläufe und Entscheidungen. (...)

IHK-Geschäftsführer Jahn fordert, den Plänen für den Infrastrukturausbau Taten folgen zu lassen. Die A 20 etwa gehöre endlich in den vordringlichen Bedarf im Bundesverkehrswegeplan. Jahn wies auch auf das Projekt einer Ortsumgehung für Brake hin. Es sei seit vier Jahren baureif – doch nun fehle das Geld.

16. Juli 2014

Debatte: Mehr BWL an Schulen?

Dass Wirtschaft auch in der Schule stattfinden soll, ist inzwischen weitgehend Konsens. Während Unternehmer sich mehr Betriebswirtschaft wünschen, befürchten Gewerkschafter eine zu einseitige Bildung.

Firmenchefin Josefa Wägner ist zufrieden. Die Geschäfte laufen gut. Der Umsatz liegt bei mehr als 12 000 Euro, die Lager sind leer geräumt. Eine Erfolgsstory - dabei ist Josefa Wägner gerade mal 17 Jahre alt. Die Firma, die sie leitet, haben sie und ihre Mitschüler am Gymnasium Friedrich II. im baden-württembergischen Lorch im Rahmen des Programms Junior des Instituts der deutschen Wirtschaft gegründet. [...]

Bislang ist Wirtschaft in Baden-Württemberg an Gymnasien ein Wahlfach. [...] Von 2016/2017 an wird im Südwesten „Wirtschaft Berufs- und Studienorientierung“ als Pflichtfach flächendeckend an allgemeinbildenden weiterführenden Schulen unterrichtet. [...] Bundesweit ist das Vorhaben einzigartig. „Baden-Württembergs Ansatz hat durchaus Vorbildcharakter für die Bundesrepublik“, sagt Dirk Loerwald, Professor für Ökonomische Bildung an der Uni Oldenburg.

Auf Ebene der Kultusministerkonferenz gibt es bislang keine Initiative, das Fach flächendeckend einzuführen. Während Niedersachsen beispielsweise ein Pflichtfach Wirtschaft für die Realschule hat und es in Gymnasien Wirtschaft und Politik nennt, gibt es in Nordrhein-Westfalen seit Jahren das Fach Sozialwissenschaften, für
Realschulen wird über ein Pflichtfach Wirtschaft diskutiert. „Von einer flächendeckenden Situation sind wir in Deutschland weit entfernt“, sagt Loerwald. [...]

Der Nutzen eines solchen Fachs ist auch umstritten. Die Arbeitgeber sprechen sich klar dafür aus. „In einem Sammelfach droht das Thema unterzugehen“, sagt Donate Kluxen-Pyta, stellvertretende Leiterin der Abteilung Bildung bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Außerdem gebe es ohne Fach auch keine spezialisierte Lehrerausbildung. Beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ist man zwar auch für mehr ökonomische Bildung. „Das kann aber nicht nur BWL und VWL sein“, sagt Matthias Anbuhl, Abteilungsleiter Bildungspolitik des DGB in Berlin.

Wir sind für einen Fächerverbund“, sagt Joachim Ruth, der beim DGB in Baden-Württemberg für bildungspolitische Themen zuständig ist. Damit werde Wirtschaft in einen sozio-ökonomischen Kontext eingebettet und auch Verbraucherbildung könne einbezogen werden. Die Lorcher Schüler sind anderer Meinung: „Wenn man sieht, was man früher für Wirtschaft gehalten hat, merkt man, dass man nicht so richtig Ahnung hatte“, sagt die Schülerin Verena Schatz. In der Mischung mit Gemeinschaftskunde sei Wirtschaft zu langweilig - zu oberflächlich, findet Felix Weber, der an der Schülerfirma mitgearbeitet hat. Das Gymnasium folgt seit 2008 einem Konzept für ökonomische Bildung, das neben normalem Unterricht Planspiele oder die Kooperation mit mittelständischen Firmen vorsieht. [...]

Einige Firmen gehen noch weiter und haben die wirtschaftliche Bildung inzwischen selbst in die Hand genommen. [...] Im Verbund „Wissensfabrik“ bemühen sich mehr als 120 Unternehmen, Bildungspartnerschaften mit Schulen zu schließen. [...] „Schule darf keine Werbeveranstaltung werden. Im Gegenteil: Schule muss einer der letzten Bereiche im Heranwachsen unserer Kinder bleiben, der nicht auf Teufel komm raus marktkonform gestaltet wird“, sagt Verdi-Landesbezirksleiterin Leni Breymaier. [...]

Stefan Küpper, Bildungsabteilungsleiter bei Südwestmetall, beschwichtigt: „Wir wollen keine kleinen BWLer und Unternehmer heranzüchten“, sagt er. Es gehe um einen breiten Ansatz. „Dazu gehören auch Gewerkschaften und Betriebsräte.“ [...]

15. Juli 2014
Presseartikel

Abbrüche in Studium und Ausbildung vermeiden

Berufsorientierung in den Schulunterricht integrieren, um die Abbrecherquote beim Übergang in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu senken - dieses Ziel verfolgt Prof. Dr. Rudolf Schröder, Hochschullehrer und Leiter der Abteilung Beufs- und Studienorientierung am Institut für Ökonomische Bildung (IÖB) der Universität Oldenburg.  (...)

Gemeinsam mit der Oldenburgischen IHK sowie Vertretern aus Schule, Wirtschaft und Berufsberatung entwickelte Schröder daher einen Leitfaden, den Schulen bestellen oder im Internet herunterladen können. Für eine verbesserte Berufs- und Studienorientierung speziell an Gymnasien entwarf der ehemalige Leiter eines beruflichen Gymnasiums das Konzept "BOGn", das bereits 3000 Schülerinnen und Schüler durchlaufen haben. (...)

Bundesweit handelt es sich um die einzige Stiftungsprofessur in diesem Bereich - mit Strahlkraft: Schulen in Bremen und Brandenburg haben Schröders Konzept bereits übernommen.

10. Juli 2014

Orientierung für den Zukunftsweg

Ein Projekt zur Berufs- und Studienorientierung hilft den Schülern der Oberschule Rockwinkel bei der schwierigen Entscheidung des Berufsweges. Sie erhalten unter anderem gezielte Information über einzelnen Berufsfelder.

Was möchte ich werden? Diese Frage muss sich jeder Schulabgänger irgendwann einmal stellen. Das Projekt Berufs- und Studienorientierung (BOGn) hilft Schülern der Gymnasialen Oberstufe dabei, sich in dem Dickicht des Arbeitsmarktes und der Berufsmöglichkeiten zurechtzufinden. An der Oberschule Rockwinkel, eine von zwei Modellschulen, die sich für das Projekt in Bremen qualifiziert haben, fand jetzt der zweite Projekttag statt.

Entwickelt wurde BOGn vom Institut für Ökonomische Bildung (IÖB) der Universität Oldenburg. Die Oberschule Rockwinkel führt das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Institut sowie der Agentur für Arbeit Bremen und Bremerhaven bereits zum zweiten Mal durch.

„Das Projekt motiviert die Schüler zuerst, sich selbst zu hinterfragen, was ihre Fähigkeiten und Berufswünsche sind“, erklärt Rebecca Stabbert von der Universität Oldenburg. „Im zweiten Schritt werden den Jugendlichen gezielte Informationen über einzelne Berufsfelder gegeben. Sie erfahren zum Beispiel in welchen Berufen sich ihre Interessen wiederfinden.“ (...)

Sich für einen Beruf beziehungsweise einen Studiengang zu entscheiden ist heute laut Stabbert um ein Vielfaches schwieriger als noch vor 14 Jahren. „Anfang 2000 gab es bundesweit noch etwa 300 Studiengänge“, berichtet sie. Heute gebe es um die 16 000 Bachelor- und Masterstudiengänge. „Die Studiengänge sind jetzt viel ausdifferenzierter. Heute spezialisiert man sich häufig schon vor dem Eintritt ins Berufsleben auf einen Bereich.“ (...)

2. Juli 2014
Presseartikel

Pflicht statt Kür

Für die angehenden Lehrer ist es ein Spagat: Sie sollen später ihren Schülern helfen, den richtigen Beruf zu finden und diese fit dafür machen. Dabei werden sie selbst nie in der Wirtschaft tätig sein. Umso wichtiger, dass sie in ihrer eigenen Ausbildung darauf vorbereitet werden. Deshalb ist Klaus-Hermann Dyck, Partner der Wirtschaftsprüfung und Beratung EY, an einem Junitag an die Pädagogische Hochschule (PH) Ludwigsburg gekommen. 30 angehenden Wirtschaftslehrern will er im Rahmen der Handelsblatt-Initiative
„Mitarbeiter machen Schule“ zeigen, wie sie Wirtschaftspraxis in den Unterricht bringen. (...)

“Dass es diesen Kurs an der Hochschule überhaupt gibt, liegt an den Plänen der baden-württembergischen Landesregierung, 2016 ein neues Schulfach in allen Schulformen einzuführen. (...)

„Ein Schulfach Wirtschaft ist absolut notwendig, weil die jungen Leute viel zu wenig über ökonomische Zusammenhänge wissen“, sagt auch Wirtschaftsprüfer Dyck. Das sieht Hans Kaminski genauso, Direktor des Instituts für Ökonomische Bildung in Oldenburg. Er plädiert für ein echtes Schulfach Wirtschaft – aber nicht um des Schulfachs Willen. „Wenn Sie auf Dauer und nachhaltig ein Thema in den Schulen verankern wollen, geht das nur über ein Schulfach“, sagt er. Ohne das gäbe es auch keine Fachausbildung an den Hochschulen. Das war einmal Konsens in Deutschland. Für das Schulfach hatten sich im August 2000 Eltern, Lehrer, Wissenschaftler, Arbeitgeber und Gewerkschaften in einem Memorandum ausgesprochen. Beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) etwa ist man nun aber überzeugt, dass ein Fach zur Zersplitterung der Stundentafel beiträgt. Hinzu kommt: Der DGB sieht in den von der Wirtschaft vorgelegten Standards für das Fach keinen interdisziplinären Ansatz mehr, dafür eine rein neoliberale Auslegung. Forscher Kaminski hat andere Eindrücke gewonnen: „Ein Blick in die Lehrpläne des Faches Wirtschaft zeigt, dass die politische und soziale Dimension sehr wohl vertreten ist. Der Fachname macht doch noch lange nicht den Inhalt aus.“ (...)

28. Juni 2014
Presseartikel

Argumente im Streit um Autobahn & Co.

Fast alle Wirtschaftsexperten sind sich sich einig: Für weiteres Wachstum muss die Infrastruktur – Verkehrswege, Stromleitungen – ausgebaut werden. Doch dies ist höchst umstritten, wie auch die Konflikte in der Region etwa um Autobahnpläne (A 20) oder den Bahnausbau zeigen.

Dieses aktuelle Thema greifen das Institut für Ökonomische Bildung (IÖB) und die Wirtschaftsbildungsinitiative wigy (beide Oldenburg) auf. Sie richten ihre nächste Veranstaltung zur Reihe „1x1 der Wirtschaft“ am 18. Juli im Park der Gärten in Bad Zwischenahn aus. (...)

Titel der Veranstaltung: „Konfliktfall Infrastruktur – Verkehrs- und Netzausbau im Nordwesten“.

Dafür wurden prominente Referenten gewonnen: Dies sind Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, sowie Daniela Behrens, Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. Mit ihnen diskutieren Susanne Grube, Vorsitzende der BUND-Kreisgruppe Ammerland, und Felix Jahn, Geschäftsführer für Verkehr bei der Oldenburgischen IHK. Damit sind die wichtigen Positionen in den aktuellen Diskussionen vertreten – das bedeutet Einschätzungen aus erster Hand. (...)

25. Juni 2014
Presseartikel

Im Park der Gärten über Infrastruktur diskutieren

Vielerorts sorgen Pläne zum Ausbau der Infrastruktur für Ärger. Da geht es etwa an der Küste um die Autobahn A 20, in Oldenburg um die Eisenbahn oder in mehreren Landkreisen um neue Stromtrassen. Passend dazu bieten das Institut für Ökonomische Bildung (IÖB) und die Wirtschaftsbildungsinitiative wigy ihre nächste Veranstaltung zur Reihe „1x1 der Wirtschaft“ am 18. Juli an. Titel: „Konfliktfall Infrastruktur – Verkehrs- und Netzausbau im Nordwesten“ (...)

Mitzumachen lohnt sich: Das IÖB hat für den 18. Juli prominente Referenten gewonnen: Dies sind Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, und Daniela Behrens, Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. Mit ihnen diskutieren Susanne Grube, Vorsitzende der BUND Kreisgruppe Ammerland, und Felix Jahn, Geschäftsführer für Verkehr bei der Oldenburgischen IHK. (...)