18. November 2013

Gymnasium weckt Lust auf Ökonomie

Oldenburg. Die Wirtschaftsbildungsinitiative „Wirtschaft am Gymnasium“ – kurz Wigy genannt – hat jetzt ihr 20-jähriges Bestehen in Oldenburg gefeiert. Der Verein will Wirtschaft für Jugendliche erlebbar machen, indem er Lehrerbildung, Praxiskontakte und die Erstellung von Unterrichtsmaterial in den Mittelpunkt stellt. Unterstützt wird er vom Institut für Ökonomische Bildung (IÖB), das für den wissenschaftlichen Hintergrund sowie für Fortbildungen und Fachtagungen sorgt.

(...) Das Institut genießt längst bundesweites Renommee und auch Länder wie Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg greifen auf die Erfahrungen aus der Huntestadt zurück. Denn an der Universität Oldenburg studieren gegenwärtig 600 Studierende Politik und Wirtschaft, das Fach, das seit 2006 an Gymnasien zum Pflichtfach wurde.

(...) „Unser Verein mit seinen 981 Mitgliedern ist stolz auf seine bundesweit größte Online-Materialiendatenbank zur ökonomischen Bildung, die gegenwärtig über umfangreiche Unterrichtsangebote für alle Schultypen verfügt“, sagt Hilger König vom Wigy-Vorstand. Auch der enge Kontakt zwischen Schulen und Unternehmen werde gepflegt, nicht zuletzt weil es lebensnaher Unterricht ist.

(...) Dennoch wünscht sich Werner Brinker noch mehr Einsatz seitens der Wirtschaft. „Man kann sich nicht einerseits beklagen, dass jungen Leuten die wirtschaftlichen Zusammenhänge fehlen und andererseits nichts dafür tun“, meint er und hofft auf mehr Engagement, damit das IÖB auch künftig eine solide finanzielle Basis hat. (zb)

 

16. November 2013
Presseartikel

Mehr Engagement von Firmen erwünscht

Die Oldenburger Wirtschaftsbildungsinitiative „wigy e.V.“ hat in den vergangenen 20 Jahren viel erreicht. Doch zur Absicherung der weiteren Arbeit wäre noch mehr   finanzielles Engagement aus der regionalen Wirtschaft heraus wünschenswert. Es gehe um eine solide Grundfinanzierung, um qualifiziertes wissenschaftliches Personal dauerhaft beschäftigen und das bewährte Informationsmaterial für die Wirtschaftsbildung von Lehrkräften und Schülern erarbeiten zu können, sagte EWE-Chef Dr. Werner Brinker als Vorstandsvorsitzender von wigy beim Jubiläumsforum in der OLB-Zentrale.

(...) Wigy war vor 20 Jahren als Verein „Wirtschaft & Gymnasium“ gegründet worden, unter Beteiligung von IHK, Unternehmenwie der OLB sowie Lehrkräften. Der Verein hat zurzeit 981 Mitglieder. Bald sollen es 1000 sein.

In den 20 Jahren sei die Wirtschaftsbildung an den Schulen deutlich vorangekommen, bilanzierte Professor Hans Kaminski, wigy-Gründungsmitglied und Direktor des Instituts für Ökonomische Bildung (IÖB/Oldenburg), das die Arbeit von wigy eng begleitet. Früher sei Wirtschaft eher in den  Hauptschulen vertreten gewesen, mit mehr Unterrichtszeit als an den Gymnasien. Diese hätten u.a. mit dem Fach „Politik/Wirtschaft“ (2006 eingerichtet) aufgeholt.  Zudem seien an der Uni Oldenburg bundesweit einmalige und stark frequentiert und Studienmöglichkeiten für angehende Lehrkräfte in diesem Bereich geschaffen worden. Zugleich sei der Bedarf an Material zur Lehrer-Aus- und Fortbildung sowie für die Arbeit im Unterricht gewachsen. Mit der Erarbeitung entsprechenden Materials, das gedruckt und online bereitgestellt werde, sei Niedersachsen im Ländervergleich „sehr weit vorangekommen“, sagte IÖB-Geschäftsführerin Katrin Eggert. Aber es bleibe noch „sehr viel zu leisten“, auch in anderen Bundesländern.

Die Arbeit von wigy habe auch dazu beigetragen, dass an zahlreichen Schulen die „Wirtschaft erlebbar“ gemacht worden sei, sagte Hilger König, Generalbevollmächtigter bei der Oldenburgischen Landesbank AG (OLB), der sich im Vorstand von wigy engagiert.  Vor 20 Jahren habe es dagegen kaum Verbindungen gegeben. Er sprach beispielhaft ein internetbasiertes Planspiel zu Unternehmen vor fünf Jahren und die jüngste Aktion an, bei der 23 wigy-Vertreter jeweils eine Unterrichtsstunde gestalteten. (...)

NWZ-TV zeigt einen Beitrag unter www.nwzplay.de

16. November 2013

Wigy macht Wirtschaft erlebbar

Oldenburg – Die Oldenburger Wirtschaftsbildungsinitiative “Wirtschaft am Gymnasium” – kurz “Wigy” genannt – hat ihr 20-jähriges Bestehen in Oldenburg in der OLB gefeiert. Eltern, Schüler, Lehrkräfte aber auch Unternehmen waren sich bei Gründung einig, dass ökonomische Bildung wichtig ist, um in der Lebens- und Arbeitswelt bestehen zu können.

(...) Jugendliche würden sich durchaus für wirtschaftliche Zusammenhänge interessieren, sagt Prof. Dr. Hans Kaminski, der das IÖB leitet und seit der Gründung von Wigy dabei ist. Das Institut ist längst bundesweit bekannt und andere Länder wie zum Beispiel Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg greifen auf die Erfahrungen in Oldenburg zurück. Denn an der Universität Oldenburg studieren gegenwärtig 600 Studierende Politik und Wirtschaft, das Fach, das seit 2006 an Gymnasien zum Pflichtfach wurde.

Für den Wigy-Vereinsvorsitzenden Dr. Werner Brinker ist ökonomische Bildung dringend notwendig, damit junge Leute ein mündiges und selbstbestimmtes Leben führen können angesichts von Globalisierung, Energiewende oder Eurokrise. „Es wird in Zukunft mehr solche komplexe Themen geben, die ohne Wirtschafts- und Politikkenntnisse nicht verstanden werden“, sagt er.

(...) Dennoch wünscht sich Werner Brinker noch mehr Einsatz seitens der Wirtschaft. „Man kann sich nicht einerseits beklagen, dass jungen Leuten die wirtschaftlichen Zusammenhänge fehlen und andererseits nichts dafür tun“, meint er und hofft auf mehr Engagement, damit das IÖB auch künftig eine solide finanzielle Basis hat. (zb)

8. November 2013
Presseartikel

Bei Wirtschaftsbildung noch viel zu tun

FRAGE: Die Wirtschaftsbildungsinitiative wigy besteht 20 Jahre. Was war 1993 der Leitgedanke zur Gründung?

BRINKER: Die Motivation zurGründung entstammte einer klaren Diagnose – nämlich der, dass Gymnasiasten damals in der Regel nur geringe Kenntnisse über   Wirtschaft hatten. (...) Deshalb sollte „wigy“ helfen, mehr ökonomische Bildung als bisher an den Gymnasien zu ermöglichen, durch Unterrichtsmaterialien und durch Fort- und Weiterbildungen der Lehrerinnen und Lehrer. (...)

FRAGE: Inzwischen gibt es ja ein Pflichtfach für alle Gymnasiasten, das heißt Politik/Wirtschaft.

BRINKER: Ja, das ist richtig.

FRAGE: Damit könnte ein Hauptziel erreicht sein. So gesehen könnte man doch wigy, das ja ursprünglich für „Wirtschaft am Gymnasium“ steht, wieder auflösen, oder?

BRINKER: Der Anspruch der Schüler auf das Fach „Politik/Wirtschaft“ ist eine Sache, die Vermittlung der Inhalte dieses Unterrichts eine andere. Viele Lehrer des Faches  Politik, die Wirtschaft jetzt „mitmachen“, hatten keine Gelegenheit, selbst Wirtschaft zu studieren. Es gibt also auf dem Feld der Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften nach wie vor spannende und wichtige Aufgaben, um die sich unter anderem „wigy“ kümmert. Außerdem werden mittlerweile Unterrichtsmaterialien bundesweit auch für Haupt-, Real-, Oberschulen und Gesamtschulen angeboten. Insgesamt bleibt aber noch eine Menge zu tun.

(...)

FRAGE: Wo setzt wigy an?

BRINKER: Der größte „Schatz“ des Vereins ist sicherlich, dass er seinen Mitgliederndie bundesweit größte Online-Materialiendatenbank zur ökonomischen Bildung zur Verfügung stellt. Aktuell umfasst die Datenbank über 2000 Angebote für den Unterricht. 2013 liegt der Fokus zudem auf den Praxiskontakten zwischen Schule und Wirtschaft, die für einen lebensnahen Unterricht wichtig sind.

FRAGE: Engagiert sich die regionale Wirtschaft genug?

BRINKER: Es gibt viele engagierte Unternehmen, u.a. die OLB) und die Oldenburgische IHK, die seit der Gründung dabei sind. Der Verein wäre aber natürlich froh über weitere Mitglieder aus der Wirtschaft – weil es einfach noch viele gute Ideen gibt, um den Ökonomieunterricht in unseren Schulen zu fördern.

--> @ Info und Anmeldung zum wigy-Forum am 15. November
www.wigy.de

23. September 2013
Presseartikel

Lehrer lernen Berufe kennen

Wer Abitur macht, geht studieren? Wer die 10. Klasse absolviert, lernt einen Beruf? Diese Klischees sind veraltet. Lehrer werden für veränderte Berufsentwicklungen geschult.

(...) Mit BOGn sollen Lehrer und Lehrerinnen einen Überblick über Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten in verschiedenen Berufsfeldern erhalten. Dabei werden unterschiedliche Interessen der Schülerinnen und Schüler sowie vorhandene Strukturen und Programme in den Schulen berücksichtigt. Die Jugendlichen sollen aber nicht nur über die vielfältigen Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten in unterschiedlichen Berufsfeldern informiert werden. Sie werde auch zu einer möglichst selbst gesteuerten Berufs- und Studienwahl befähigt. Dies betrifft beispielsweise die Selbsteinschätzung sowie die Informations-, Entscheidungs- und Zeitmanagementkompetenz.

(...) Die Lehrveranstaltungen für die Lehrer werden von Professor Dr. Rudolf Schröder von der Universität Oldenburg durchgeführt. An den zwei Präsenztagen wurden folgende Schwerpunkte gesetzt: Grundlagenwissen für die Berufs- und Studienorientierung und ein Konzept zur Berufs- und Studienorientierung für die eigene Schule. Die Lehrkräfte erhielten im Rahmen der Fortbildung verschiedene Hilfsmittel, unter anderem einen personalisierten Zugang zum Lernmanagement ECEDON sowie Unterrichtsmodule (Verlaufspläne, Lern- und Lehrmaterialien) für jeweils 45 oder 90 Minuten Unterricht mit einem Gesamtumfang von mehr als 20 Stunden Präsenzunterricht. Die Selbstlernphase (online) dauert etwa ein Vierteljahr. Am Ende gibt es eine Abschlussveranstaltung in der IHK mit Präsentation und Diskussion der entwickelten Konzepte für die eigene Schule.

19. September 2013
Presseartikel

Schüler sollen bessere Verbraucher werden

(...) Sie geben ihre persönlichen Daten auf Facebook preis, finanzieren ihr Smartphone auf Pump und wissen oft nicht, woher das Essen auf ihrem Teller stammt. Kinder und Jugendliche haben häufig große Defizite in der Konsumkompetenz, darin sind sich die Kultusminister der Länder einig. Zudem sehen sie unsere Gesellschaft vor immer größeren Herausforderungen stehen, wie der Finanzkrise und dem Klimawandel. Deshalb hat die Kultusministerkonferenz jetzt eine Empfehlung zur „Verbraucherbildung an Schulen“ abgegeben, die Mädchen und Jungen so früh wie möglich fit für den Alltag machen soll.

(...) Ein eigenes Unterrichtsfach schreiben die Kultusminister den Schulen aber nicht vor. Vielmehr soll die Verbraucherbildung in eines oder mehrere Fächer integriert werden. Außerdem sind außerschulische Aktivitäten wie Projekte oder Klassenausflüge vorgesehen. Auch externe Unternehmen sollen mit einbezogen werden.

(...) Bislang gibt es das Fach Verbraucherbildung in Deutschland allerdings nur in Schleswig-Holstein. Es ersetzt seit 2009 die Haushaltslehre an Haupt-, Gesamt- und Realschulen. (...)

Dirk Loerwald, Professor für ökonomische Bildung an der Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg, sieht neben der fehlenden Lehrerausbildung noch ein ganz anderes Problem: "Der Verbraucherbildung fehlt die Einbettung in übergeordnete Sach- und Sinnzusammenhänge, wenn sie nicht in ein Konzept ökonomischer Bildung integriert wird." Heißt: So wie in den anderen Disziplinen wie Mathematik, Geografie oder Deutsch gibt es keine Wissenschaft, worauf die bestehenden Konzepte wie in Schleswig-Holstein aufbauen.

Zudem sei die Sicht des Verbrauchers zu „singulär“, erklärt der Experte im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online. Er plädiert daher für die Verbraucherbildung als Teilbereich im Kernfach Wirtschaft. „So können alle Perspektiven – von der Politik über Gewerkschaften bis zu Privatunternehmen – abgedeckt werden“, erklärt Loerwald. (...)

Läuft der Unterricht jedoch lediglich über Projektarbeiten, so warnen Kritiker schon länger vor der Beeinflussung durch die Lobby, etwa durch kostenlos zur Verfügung gestellte Unterrichtsmaterialien von Verbänden, Banken, Versicherungen und der Industrie. „Wem gehört die ökonomische Bildung?“, fragen die Bielefelder Wissenschaftler Lucca Möller und Reinhold Hedtke in einer Studie. Sie kommen zu dem Schluss, dass zurzeit „ein Schulfach Wirtschaft zum Fach der Wirtschaft und der Wirtschaftsverbände wird und wirtschaftsliberal-konservatives Denken in die Schulen bringen soll.“ Gäbe es an den Schulen ein flächendeckendes Fach Wirtschaft, sagt auch Thomas Retzmann, Professor für Wirtschaftspädagogik an der Universität Duisburg-Essen, "dann müssten Experten zentral Materialien für die Schüler ausarbeiten, ohne, dass die Lehrer auf Arbeitsblätter von der Industrie angewiesen sind".

19. September 2013

Armut real und relativ

Politiker bewirken mit Maßnahmen zur Armutsbekämpfung oft das Gegenteil dessen, was sie erreichen wollen. Als Beispiele nannte Prof. Dirk Loerwald beim Dietrich-Kramer-Symposium gestern in Bielefeld Mindestlohn und Vermögenssteuer. "Maßnahmen für mehr Gerechtigkeit dürfen nicht nur gut gemeint, sondern müssen auch effizient und effektiv sein", forderte der Oldenburger Wirtschaftswissenschaftler.

Kritisch äußerte sich Loerwald vor etwa 250 meist jugendlichen Zuhörern zur Definition von Armut. In Deutschland gelte als arm, wer von weniger als 50 Prozent des Durchschnittseinkommens leben müsse. Armutsgefährdet sei, wer mit 60 Prozent auskommen müsse. (...)

Pastor Ulrich Pohl, Vorstandsvorsitzender der von Bodelschwinghschen Stiftung Bethel, nannte als weitere Ursachen eine zu geringe Rente und den augenblicklichen Anstieg der Mietnebenkosten. (...)

Veranstalter des Symposiums sind das Gildenhaus und der Unternehmerverband der Metallindustrie Ostwestfalen.

19. September 2013

Armut ist relativ

Bielefeld. 1957 forderte Ludwig Erhard "Wohlstand für alle". Heute feiern die einen die Soziale Marktwirtschaft als Erfolgsmodell, andere machen den Markt verantwortlich für die Kluft zwischen Arm und Reich. Doch die im Wahlkampf gepriesenen Mittel zur Armutsbekämpfung verfehlen oft ihre Wirkung. Davon ist Dirk Loerwald, Professor an der Universität Oldenburg, überzeugt. In der Bielefelder Hechelei erklärte der Ökonom beim Dietrich Kramer Symposium, wie die Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland politisch gesteuert wird.

(...) Armut werde nach Adam Smith, dem Vater der klassischen Marktwirtschaft, als Mangel an Wohlstand definiert, erklärte Loerwald. Und Wohlstand gelte in unserer heutigen Gesellschaft als höchstes Ziel. Doch Reichtum habe viele Gesichter: (...)

Gerade im Wahlkampf werde unter dem Schlagwort "Soziale Gerechtigkeit" viel über Umverteilung gesprochen. "Aber populistische Werkzeuge wie der Mindestlohn oder die Vermögenssteuer bringen nicht viel", sagte der Ökonom. "Ich weiß nicht, ob ein alleinstehender Facharbeiter mit einem Jahresgehalt von 54.000 Euro wirklich als reich zu bezeichnen ist." Sinnvoller sei es, den Spitzensteuersatz oder die Einkommensteuer zu überdenken. Denn wer darüber nachdenke, das Vermögen der Bürger anzugreifen, müsse auch entscheiden, wie die Grenzen verlaufen. (...)

Der Begriff "Reichtum" bekomme bei solchen Überlegungen eine neue Definition. Nicht anders sei das mit der Armut. "Als arm gilt bei uns, wer weniger als 50 Prozent des Durchschnittseinkommens verdient", erklärte der Professor. Das ist in sehr armen Ländern ein ganz anderer Wert, als in sehr reichen." Armut, sei eben immer relativ. (...)