Forschung und Projekte

Im Überblick

Forschungsverständnis
Ansatzpunkte für Forschungsfelder ökonomischer Bildung
Kooperationen als Teil unserer Leitidee

 

Forschungsverständnis

a) Fachdidaktik kann definiert werden als die „Wissenschaft vom fachspezifischen Lehren und Lernen innerhalb und außerhalb der Schule“ KVFF, 13) .  Forschungsarbeiten in der Fachdidaktik befassen sich mit „der Auswahl, Legitimation und der didaktischen Rekonstruktion von Lerngegenständen, der Festlegung und Begründung von Zielen des Unterrichts, der methodischen Strukturierung von Lernprozessen sowie der angemessenen Berücksichtigung der psychischen und sozialen Ausgangsbedingungen von Lehrenden und Lernenden. Außerdem befasst sie sich mit der Entwicklung und Evaluation von Lehr-Lernmateralien.“ (ebd.)  Damit sind inhaltlich die Kernaufgaben einer Fachdidaktik beschrieben. Die bisherigen Forschungsaktivitäten und Publikationstätigkeiten des IÖB machen deutlich, dass diese Felder für die ökonomische Bildung in den vergangenen Jahren in Oldenburg systematisch bearbeitet wurden. 

b) Darüber hinaus sind in der fachdidaktischen Forschung im Allgemeinen und in der ökonomischen Bildung im Besonderen aktuell national und international zwei Entwicklungen zu verzeichnen, die forschungsstrategisch relevant sind:

  • Die ökonomische Bildung hat sich – wie andere Fachdidaktiken - zu einer (auch) empirisch forschenden Disziplin entwickelt (vgl. im Feld der ökonomischen Bildung grundlegend dazu Retzmann 2001).  Im Bereich der qualitativen Lehr-Lern-Forschung entstehen z. B. zunehmend Arbeiten zur Erhebung von Schülervorstellungen (Forschungsansätze: Phänomenographie, Conceptual Change etc.), zur Erfassung von Lehrervorstellungen (Forschungsansätze: Epistemological Beliefs, Teachers Beliefs etc.) oder zur Wirksamkeit von Lehr-Lern-Arrangements (Forschungsansätze: Interventionsstudien, Classroom Experiments etc.). Quantitativ ist national und international ein Schwerpunkt im Bereich der Leistungsmessung zu verzeichnen (Forschungsansätze: Kompetenzdiagnostik, Large Scale Assessment etc.).
  • Zum anderen hat sich in den letzten Jahren international (vor allem in den USA) eine wissenschaftliche Diskussion um die mangelnde Anwendung bildungswissenschaftlicher Erkenntnisse in der Unterrichtspraxis entspannt. Als eine zentrale Ursache für die eingeschränkten Auswirkungen didaktischer Forschung auf die pädagogische Praxis in den Schulen wird die „starke […] Fixierung auf reinen Erkenntnisfortschritt unter Ausklammerung von praxisrelevanten Aspekten wie Kontextfaktoren oder Nutzenaspekten“ (Fischer/Waibel/Wecker 2005)  angeführt. Wissenschaftstheoretisch wird dieser Wirkungsmangel didaktischer Forschung auf einen Trade Off zwischen anwendungsorientierter Forschung und Grundlagenforschung zurück geführt (vgl. grundlegend dazu Stokes 1997).  Einem solchen eindimensionalen Forschungsverständnis zufolge sind Arbeiten mit einem hohen Anwendungsbezug systematisch mit einem geringen Erkenntnisfortschritt verbunden und umgekehrt. Moderne fachdidaktische Forschungsansätze (z. B. Design Based Research) streben eine Überwindung einer solchen eindimensionalen Auslegung des Verhältnisses von Anwendung und Erkenntnis an. In Anlehnung an bekannte Forscherpersönlichkeiten spricht Stokes (1997) in diesem Kontext von Pasteur’s Quadrant (siehe Abb.). Pasteurs Arbeiten stehen hier exemplarisch für anwendungsorientierte Grundlagenforschung, in Abgrenzung zur nutzenfreien Grundlagenforschung (Beispiel: Nils Bohr) und zur erkenntnisarmen Anwendungsforschung (Beispiel: Thomas Edison). 

 

 Pasteur´s Quadrant (Stokes, D. E. 1997, zietiert nach Fischer/Waibel/Wecker 2005, S. 433)

c) Vor dem Hintergrund dieser internationalen Entwicklungen liegt den aktuellen und zukünftigen Forschungsarbeiten im IÖB ein mehrdimensionaler Forschungsansatz zugrunde, der anwendungsorientierte Forschung und Grundlagenforschung systematisch miteinander verknüpft. Fachdidaktik wird als eine „Theorie der Praxis für die Praxis“ verstanden. Eine so verstandene fachdidaktische Forschung zielt sowohl auf Erkenntnisfortschritt für die Scientific Community als auch auf den praktischen Nutzen der Forschungsergebnisse für die Akteure im Bildungssystem (Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte etc.). Die Forschungsprojekte berücksichtigen – wo möglich – systematisch die Zusammenhänge zwischen theoretischen Arbeiten, empirischer Forschung, Curriculum-/-Materialentwicklung und Erprobung/Evaluation. Nicht immer kann und muss jedes einzelne Projekt im IÖB den gesamten Forschungsstrang anwendungsorientierter Grundlagenforschung bearbeiten. In einigen Fällen liegen Vorarbeiten vor (z. B. zur theoretischen Fundierung), in anderen Fällen kann es forschungsstrategisch sinnvoll sein, ausgewählte Elemente (z. B. Entwicklung und Erprobung/Evaluation) zu fokussieren.

Ansatzpunkte für Forschungsfelder ökonomischer Bildung

a) Gemäß einer einschlägigen Definition untersucht die fachdidaktische Forschung domänenbezogene Bildungsprozesse und deren Voraussetzungen wie Ergebnisse im institutionellen Rahmen von Schule. Damit wird ein prozessuales Verständnis fachdidaktischer Forschung artikuliert, durch das die Anwendungsqualität der Forschungsarbeit gesichert werden soll. Ziel ist es, Forschungsstrategien zur Gewinnung anwendungsbezogener Erkenntnisse zu entwickeln und auf diese Weise zu einem gelingenden Theorie-Praxis-Transfer beizutragen. Um die Fülle möglicher Forschungsfragen bündeln zu können, werden drei Ansatzpunkte fachdidaktischer Forschung unterschieden: die Schule als System, die Lehrkräfte als Gestalter von Lehr-Lern-Prozessen und die Schülerinnen und Schüler als Adressaten von Allgemeinbildung. Damit ergibt sich eine Matrix mit neun Feldern, denen wirtschaftsdidaktische Forschungsfragen zugeordnet werden können (siehe die nachfolgende Abb.).

Ansatzpunkte für fachdidaktische Forschung in der ökonomischen Bildung

b) Als Forschungsansätze für die hier skizzierten Felder kommen sowohl theoretisch ausgerichtete Verfahren als auch empirische Methoden zum Einsatz. Bei der Bearbeitung der verschiedenen Forschungsfragen ist aber stets zu berücksichtigen, dass die ökonomische Bildung eine Disziplin im Entwicklungsstadium ist. Das bedeutet einerseits, dass manche Fragestellungen aufgrund eines Mangels an empirischen Daten derzeit noch nicht bearbeitet werden können. Darin liegt aber auch andererseits die Ursache für die Vielfalt der noch zu bearbeitenden Forschungsgebiete, weshalb die anwendungsorientierte Grundlagenforschung im IÖB entsprechend breit aufgestellt ist.

Die inhaltlichen Forschungsschwerpunkte des Institutes sind: 

  • Energiebildung von der Primarstufe bis zur Sekundarstufe II
  • Berufs- und Studienorientierung
  • Finanzielle Bildung/Verbraucherbildung
  • Entrepreneurship Education
  • Praxiskontakte Wirtschaft
  • Curriculumforschung und –entwicklung
  • Kompetenzmodelle/Diagnostik
  • E-Learning/Qualifizierung/Lehrerausbildung
  • Transformationsökonomien (MOE)
  • Außerschulische ökonomische Bildung (Zielgruppe: Bevölkerung) 

c) Methoden und Forschungsansätze, die für die fachdidaktische Forschung im Feld der ökonomischen Bildung besonders geeignet erscheinen und die im IÖB in verschiedenen Projekten zum Einsatz kommen, sind: 

  • Curriculumentwicklung
  • Delphi-Studien
  • Evaluations- und Innovationsforschung
  • Experimente/Classroom experiments
  • Kompetenzmodelle (Entwicklung und empirische Validierung)
  • Individualdiagnostik/‚typische‘ Schülerfehler
  • Interventionsstudien
  • Lehrplananalysen
  • Modellversuchsforschung
  • Qualitative Inhaltsanalysen
  • Schulbuchanalysen
  • Videographie
  • Wissenschaftliche Begleitforschung
  • Wissenstests/Kompetenzdiagnostik

 

Literatur zum Forschungsansatz

KVFF (Hrsg.): Fachdidaktik in Forschung und Lehre. Kiel. S. 13.

Retzmann, Th. (2001): Empirische Lehr-/Lern-Forschung als Beitrag der Fachdidaktik zur Rationalisierung der Debatte um die ökonomische Bildung. In: Schlösser, H.-J. (Hrsg.): Stand und Entwicklung der ökonomischen Bildung. Bergisch Gladbach. S. 167-187.

Fischer, F./Waibel, M./Wecker, Ch. (2005): Nutzenorientierte Grundlagenforschung im Bildungsbereich. Argumente einer internationalen Diskussion. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft. 8. Jahrgang. Heft 3/2005. S. 427-442.

Stokes, D. E. (1997): Pasteur‘s Quadrant. Basic Science and Technological Innovation. Washington.

  

Kooperationen als Teil unserer Leitidee

Nach dem „Oldenburger Modell“ sind vier zentrale Aufgabenfelder für die nachhaltige Verankerung ökonomischer Bildung im allgemeinbildenden Schulsystem simultan zu berücksichtigen. Eine dieser Aufgaben ist die systematische Zusammenarbeit mit Projektträgern und Förderern, d. h. die partnerschaftliche Kooperation mit Stiftungen, Unternehmen, Verbänden, Landesministerien, Landesinstituten für Lehrerfort- und Weiterbildung, in- und ausländischen Hochschulen.  

 

Ziele von Kooperationen

Nur gemeinsam mit unseren Projektpartnern gelingt es uns, wirtschaftliche Inhalte stärker in allen Schulformen und Schultypen zu integrieren und die Lehrkräfte bei dieser innovativen Aufgabe zu unterstützen. Das Institut für Ökonomische Bildung kooperiert seit über zwanzig Jahren regional, national und international mit wissenschaftlichen Partnern im In- und Ausland. Auch durch  sogenannte Public Private Partnerships werden zahlreiche Projekte zur Förderung von anwendungsorientiertem und lebensbezogenem Lernen initiiert und betreut.

Im Bereich Public Private Partnerships sind unsere Kooperationspartner zum Beispiel das Handelsblatt, mit dem wir eine Wirtschaftszeitung für Schüler mit dem Titel „Newcomer“ herausgeben. Oder die Oldenburger Arbeitsagentur, die ein Projekt zur Berufsorientierung von Schülerinnen und Schülern fördert. Vor allem sind es auch die vielen Oldenburger Unternehmen, die Berufserkundungen und Praxistage ermöglichen. Mit der Nordwest-Zeitung haben wir eine Sommer-Gartenvorlesung für Bürgerinnen und Bürger institutionalisiert. Das inhaltliche Konzept und die Ausgestaltung liegt beim IÖB, die Bekanntmachung der Veranstaltung erfolgt durch die NWZ. Ziel ist, Bügerinnen und Bürgern komplexe wirtschaftliche Phänomene zu erklären. Von besonderer Bedeutung sind Unternehmen wie die EWE AG, die Oldenburgische Landesbank AG (OLB), die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer (IHK).

Ein derart weit verzweigtes System der Zusammenarbeit zwischen An-Institut (IÖB), Hochschule (IfÖB), weiteren in- und ausländischen Hochschulen, Schulen, Unternehmen, Stiftungen und Verbänden führt zu Netzwerken für die ökonomische Bildung, die wissenschaftliche Grundlage und alltagspraktische Anwendung vereinen.

Engagieren Sie sich mit uns in gemeinsamen Projekten!

Wenn Sie sich als Unternehmen  für die Wirtschaftsbildung an allgemeinbildenden Schulen engagieren und Ihrer sozialen Verantwortung Ausdruck verleihen wollen, nehmen Sie  Kontakt zu uns auf. Eine erste Anlaufstelle ist der wigy e. V., der seine Geschäftsstelle in unserem Hause hat und zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Schule vermittelt. Der wigy e. V. ist an vielen unserer Projekte beteiligt.

Adresse:
Geschäftsstelle des wigy e. V.
Bismarckstraße 31
26122 Oldenburg

Ihre Ansprechpartnerin bei wigy:
Martina Raker
Tel: 0441/361303-30
Fax: 0441/361303-93

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www.wigy.de


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