Wirtschaft und Moral – ein Widerspruch?

Wirtschaft und Moral sind zwei Begriffe, die insbesondere in den letzten Jahren in der öffentlichen Wahrnehmung oft als ein Gegensatzpaar empfunden wurden. Wenn von der Ausbeutung von Arbeitnehmern, vom Geiz der Konsumenten, von der Gier der Manager oder einer unfairen Verteilung zwischen Armut und Reichtum die Rede ist, dann macht dies deutlich, dass wirtschaftliche Aktivitäten vielfach als unmoralisch empfunden werden. In der jüngsten Vergangenheit hat insbesondere die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 das Vorurteil breiter Bevölkerungskreise gefestigt, dass die Marktwirtschaft moralisches Fehlverhalten befördere.

Auf der anderen Seite bedingen sich wirtschaftliches Handeln und gesellschaftliches Gemeinwohl in vielen Fällen. Wenn der Wettbewerb funktioniert, dann sichert das Handlungs- und Wahlfreiheiten, innovationsbasiertes Wirtschaftswachstum und eine bedarfsgerechte Allokation von Gütern und Dienstleistungen. In Bildungsprozessen sollte dementsprechend die Moral nicht per se gegen die Wirtschaft in Stellung gebracht werden. Dies würde die gesellschaftlichen Vorteile der Marktwirtschaft in fataler Weise ignorieren.

Programm „Wa(h)re Werte – Die Wirtschafts.Forscher!“

Das Programm „Wa(h)re Werte – Die Wirtschafts.Forscher!“, durchgeführt in Kooperation von PWC Stiftung Jugend – Schule – Bildung, der Karl Schlecht Stiftung, dem Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) und dem IÖB, fördert die systematische Einbettung ethischer Dimensionen in den Wirtschaftsunterricht. Im Kern geht es darum, die ethische Dimension der ökonomischen Bildung in der allgemeinbildenden Schule (Sekundarstufen I) herauszuarbeiten, sie in die ökonomischen Kerncurricula und Rahmenvorgaben der Bundesländer zu integrieren und für Schülerinnen und Schüler mit Bezug zu deren Alltagswelt anschaulich und methodisch attraktiv aufzubereiten. Zielgruppe sind darüber hinaus die – in vielen Fällen – fachfremd unterrichtenden Wirtschaftslehrkräfte, die für den Unterricht fachlich, fachdidaktisch und methodisch zu qualifizieren und mit passgenauem Unterrichtsmaterial auszustatten sind. Die unterrichtliche Vermittlung erfolgt dabei im ‚normalen‘ Unterricht und ermöglicht die Entwicklung von fachlichen Grundlagen durch forschendes Lernen u. a. mithilfe von Experimenten, Erkundungen und Simulationen sowie spezifischen Schülerworkshops.

 

 

 

Beteiligt am Programm sind derzeit Lehrkräfte und Klassen von 20 Schulen der Sekundarstufe I in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Niedersachsen.

Foto: Projektpartner und beteiligte Lehrkräfte

Unterrichtliche Innovation

Das Programm ist inhaltlich innovativ, weil es bis dato noch kein systematisches und umfassendes Angebot zur Unterrichtsgestaltung für den Wirtschaftsunterricht an allgemeinbildenden Schulen gibt, durch das die ethische Dimension des Wirtschaftens insbesondere in der Sekundarstufe I fundiert thematisiert werden kann.

Das Programm ist methodisch innovativ, weil dabei entdeckendes und selbstständiges Lernen ermöglicht wird. Die Lernwege und Lernergebnisse werden in solchen Lernarrangements nicht vorgegeben, sondern im Lernprozess erarbeitet und – wo immer möglich – erprobt. Der hohe Grad an Eigenaktivität und Freiheit der Schülerinnen und Schüler verlangt dabei gleichsam ein theoriegeleitetes und selbstreflexives Vorgehen.

Programmleistungen des IÖB

  • Analyse der schulischen Curricula und Lehrpläne
  • Entwicklung konzeptioneller Grundlagen (Didaktik-Konzept, Konzept „Forschendes Lernen in der ökonomischen Bildung“ etc.)
  • Entwicklung von Unterrichtsmodulen zu ausgewählten Themenaspekten (Konsum und Ethik, Unternehmensethik, Relevanz gesellschaftlicher Spielregeln etc.)
  • Konzeption und Durchführung von Lehrerqualifizierungen in Präsenz- und Onlinephasen auf der Grundlage eigens entwickelter Qualifizierungsmodule
  • durchgängiger (Online-)Support der Lehrkräfte im Hinblick auf die unterrichtliche Realisierung
  • Konzeption, Entwicklung und Durchführung einer Schülerstudie

Weitere Informationen entnehmen Sie der Programmhomepage: http://www.wirtschafts-forscher.de/